Zuletzt geändert: 2013-07-28 14:55:33

Gastroösophageale Refluxkrankheit

Klinische Einteilung, Pathogenese

Die primäre Refluxkrankheit (GERD, gastro-esphageal reflux disease) ist durch einen insuffizienten unteren Ösophagussphinkter gekennzeichnet, wobei im Gefolge Magen- und Intestinalsekret in die terminale Speiseröhre zurücklaufen kann. Die sekundäre Refluxkrankheit ist durch organische Ösophaguserkrankungen (Motilitätsstörungen) oder Zustände gastraler Stase und Magenausgangsstenose bedingt. Ein physiologischer Reflux tritt bei nahezu allen Normalpersonen auf, wird aber durch Speichelneutralisation und Ösophagusclearance kompensiert.

Als wesentlicher pathogenetischer Faktor der GERD wird eine erhöhte Exposition des Ösophagus mit Magensaft angesehen.

Bei längerdauerndem Kontakt von Intestinalsekret und Ösophagusmukosa kommt es zur Refluxösophagitis.

Die Refluxösophagitis wird endoskopisch nach Savary und Miller klassifiziert.

GradDefinitionBeispiel
Endoskopie
0Normale Schleimhaut 
IFleckförmige rote Läsionen 
Iaohne Fibrinbelag
Ibmit Fibrinbelag 
IIStreifenförmige rote Läsionen
IIaohne Fibrinbelag 
II bmit Fibrinbelag 
IIIBefall der gesamten Zirkumferenz
IVKomplikation: Ulkus, Stenose

siehe auch: Videoclip Refluxösophagitis Grad I
AVI-Video (CD)  

CD: Videoclip Refluxösophagitis Grad II
AVI-Video (CD)  

CD: Videoclip Refluxösophagitis Grad III
AVI-Video (CD)  

CD: Videoclip Refluxösophagitis Grad IV
AVI-Video (CD)  

Histologisch ist die Refluxösophagitis durch das Einwandern von neutrophilen Granulozyten in die Lamina propria der Ösophaguswand gekennzeichnet. Eine alkalische Refluxösophagitis entsteht durch den Reflux von Dünndarmsekret (z.B. nach Gastrektomie). Eine gastroösophageale Refluxkrankheit kann zur Ausbildung oder Progression asthmatischer Symptome führen. Im Gefolge der Refluxkrankheit kann sich ein sog. Endobrachyösophagus mit Barrett-Schleimhaut ausbilden (CD: Endoskopischer Aspekt). Die Häufigkeit der Diagnose des Endobrachyösophagus ist in westlichen Zivilisationen stark zunehmend. Es besteht ein gesicherter Zusammenhang zwischen Ausbildung eines Endobrachyösophagus und dem Auftreten von Adenokarzinomen der Speiseröhre(ca. 14%). Häufig ist die Refluxkrankheit mit dem Vorliegen einer Hiatushernie kombiniert.

Eine sinnvolle Klassifikation der gastroösophagealen Refluxerkrankung ist der sog. AFP-Score, der anatomische, funktionelle und pathologische Kriterien verwendet: 

KlasseGrad,
Score
Beschreibung
Anatomie Hernie
 0Kein Nachweis einer Hiatushernie
 1Kleine oder intermittierende (axiale) Hiatushernie
 2Konstante axiale Hernie, die während Bariumbreischluck
nicht reponiert, die endoskopisch mind. 3 cm oberhalb des
Zwerchfelldurchtrittes fixiert ist.
 3Gemischte oder paraösophageale Hernie
Funktion pH-Metrie
 0Normale Säureexposition des distalen Ösophagus
(pH-Metrie: pH < 4.0 bis 3.9 % / 24 h)
 1Gesteigerte Säureexposition des distalen Ösophagus
(pH-Metrie: pH < 4.0:  4.0 - 7.9% / 24 h)
 2Höhere Säureexposition distaler Ösophagus
(pH-Metrie: pH <4.0: 8.0-19.9% / 24 h)
 3Höchste Säureexposition des Ösophagus
(pH-Metrie: pH < 4.0: über 20 % / 24 h)
Pathologie Ösophagitis
 0Keine makroskopischen mukosalen Veränderungen
 1Isolierte, nicht-konfluierende Läsion
 2Zirkumferentielle oder konfluierende Läsionen
 3Striktur, short esophagus, penetrierendes Ulkus
ggf. addieren: 
CLO
1Columnar Lined esophagus, Barrettmukosa
ggf. addieren: 
PS
1previous surgery

Beispiel: Ein Patient mit einer kleinen Hiatushernie, einem mittleren sauren Reflux und einer fleckartigen Refluxösophagitis mit Nachweis von Barrett-Mukosa würde A1 F2 P1 (CLO) klassifiziert.


Epidemiologie

Die GERD ist die häufigste Erkrankung des oberen Gastrointestinaltraktes. Während der Schwangerschaft bestehen häufig Refluxsymptome. Als Risikofaktoren für GERD werden Fettleibigkeit und Zigarettenrauchen angesehen.

Spontanverlauf:

Hohe Rezidivrate nach Therapiebeendigung, aber in der Regel geringes Risiko für gravierende Spätkomplikationen.

Mögliche Komplikationen: peptische Ösophagusstenose, Ösophagusulkus, Endobrachyösophagus (Barrett-Ösophagus)

Prästationäre Masnahmen (Hausarzt):

Allgemeinmasnahmen veranlassen (Rauchen einstellen, Meiden scharfer Getränke und Speisen, Meiden von Pfefferminz, Meiden von Alkohol und Kaffee, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper etc.). Symptomatischer Behandlungsversuch. Endoskopie.

Symptome:

Retrosternales Brennen. Sodbrennen. Brustschmerzen. Regurgitation.

 


Obligate Diagnostik

Denervationssyndrom und "gas bloat"


Therapie [Internistisch]

Indikation: Die medikamentöse Behandlung der GERD hat durch die Einführung potenter säuresuppressiver Medikamente erheblich an Gewicht gewonnen. Wird anlässlich der Endoskopie eine Refluxösophagitis festgestellt, so wird in der Regel ein 4-6 wöchiger Behandlungszyklus mit einem H2-Antagonisten oder Omeprazol erfolgen. Rezidiviert die Refluxösophagitis chronisch trotz Allgemeinmaßnahmen, so sollte eine genaue Befunderhebung im Gastrolabor erfolgen (siehe oben) und ggf. die Indikation zur chirurgischen Therapie gestellt werden.

Medikation: Je nach Schweregrad der Refluxkrankheit kommt folgendes Medikationsspektrum zum Einsatz:

WirkungKlasseSubstanzHandelsname
(Beispiel)
DosisEingeführt
LowAntazidaAluminiumhydroxid
Solugastril,
Maaloxanmind. 3x1 Btl. p.d.--
LowSchleimhaut-
protektiva
SucralfatUlcogant6 x 5 ml p.d.--+
LowProkinetikaMetoclopramidPaspertin3 x 1 Tbl, 3 x 15 Trx --+
LowProkinetikaCisapridPropulsin3 x 5-10 mg /d--++
MediumH2-AntagonistCimetidinTagamet800 mg/d ab1977+
MediumH2-AntagonistRanitidinSostril, Zantic300 mg /d ab1981++
MediumH2-AntagonistFamotidinPepdul40 mg/d ab1985++
HighProtonenpumpen-
hemmer
OmeprazolAntra20 mg/d abends1988+++

Rezidivprophylaxe und Weiterbehandlung: Eine postoperative Refluxrezidivprophylaxe ist in der Regel nicht erforderlich. Nach 4 Wochen Kontrollendoskopie, nach 3 Monaten pH-Metrie und Manometrie zur Verlaufskontrolle. 

Wichtig: Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen. Keinerlei Haftung für Fehler im Manual. Die Auswahl der angegebenen Medikamente, von denen weitere, bessere oder möglicherweise günstigere existieren können, ist völlig subjektiv. Bei allen gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte primär den Arzt Ihres Vertrauens.
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